Sechs Stunden Fahrt trennen den Strand vom Teegebirge, und genau darin liegt der Reiz.
Beim ersten Mal habe ich den Fehler gemacht, den fast alle machen: zu viel in zu wenig Tage. Auf der Karte sieht die Insel klein aus, in Wirklichkeit brauchst du für hundert Kilometer schnell drei Stunden, weil die Strasse durch jedes Dorf führt. Gemerkt habe ich das auf der Fahrt von der Südküste hinauf nach Ella. Irgendwann wurde die Luft kühl, der Fahrer machte das Fenster zu, und draussen standen Teebüsche bis zum Horizont.
Seither plane ich anders. Vier Stationen in vierzehn Tagen statt sieben, und zwei Nächte sind das Minimum, alles darunter ist Umziehen mit Zwischenstopp. Die Reihenfolge lege ich nach dem Monsun fest und nicht nach der Landkarte, denn Süden und Osten haben nie gleichzeitig Saison. Wer das übergeht, sitzt eine Woche im Regen, während zweihundert Kilometer weiter die Sonne scheint.

Tippe auf eine Landschaft und du siehst, was sie ausmacht.
Zwischen Galle und Tangalle liegen rund neunzig Kilometer Küste, und sie sind unterschiedlicher, als es aussieht. Galle ist ein altes Fort auf einer Landzunge, ringsum eine Festungsmauer aus holländischer Zeit, auf der du in knapp einer Stunde einmal um die ganze Altstadt läufst. Weiter östlich wird es leerer, die Buchten kleiner, die Häuser stehen einzeln. Baden kannst du nicht überall, an manchen Abschnitten steht die Brandung zu steil, das sagt dir vor Ort jeder. Ich kombiniere gerne zwei Nächte im Fort mit vier oder fünf weiter draussen.
Ab etwa tausend Metern ändert sich alles. Morgens hängt Nebel in den Hängen, abends ist eine Jacke keine schlechte Idee, und die Luft riecht nach nassem Gras. Das Teegebiet um Ella, Nuwara Eliya und Hatton wurde von den Briten angelegt und sieht bis heute so aus, mit Planterhäusern, Kamin und geschnittenem Rasen. Eine Etappe fahre ich immer mit dem Zug statt mit dem Auto, auch wenn es länger dauert. Zwei bis drei Nächte reichen, wenn du nicht wandern willst.
Anuradhapura, Polonnaruwa und Sigiriya bilden das historische Zentrum der Insel, alles innerhalb von zwei Fahrstunden. Sigiriya ist der Felsen, den jeder kennt, und der Aufstieg lohnt sich trotz Treppen und Andrang, wenn du früh gehst. Anuradhapura ist stiller und für mich eindrücklicher, weil dort seit über zweitausend Jahren ohne Unterbruch gebetet wird. Kandy mit dem Zahntempel liegt zwei Fahrstunden südlich und gehört für mich dazu, im Juli oder August zieht dort die Esala Perahera mit Elefanten, Trommlern und Feuertänzern durch die Stadt. Zwei Nächte sind das Minimum, drei sind angenehmer.
Yala im Südosten ist der bekannteste Nationalpark und hat eine der höchsten Leopardendichten überhaupt, in der Hauptsaison dafür auch die meisten Jeeps. Wer es ruhiger mag, fährt nach Gal Oya und geht mit dem Boot statt mit dem Wagen, dort schwimmen Elefanten zwischen den Inseln. Pirschfahrten starten früh, meist gegen halb sechs, die zweite folgt am späten Nachmittag. Garantien gibt es keine, das gehört dazu. Zwei Nächte, damit du auf vier Ausfahrten kommst.
Die Ostküste hat ihre Saison genau dann, wenn es im Süden regnet, also von Mai bis September. Das Wasser bei Trincomalee und Pasikuda ist flach und ruhig, an manchen Stellen läufst du weit hinaus, bevor es dir bis zur Hüfte reicht. Vor Pigeon Island liegt das beste ohne Boot erreichbare Riff des Landes. Touristisch ist die Küste weniger entwickelt als der Süden, was in beide Richtungen wirkt. Als zweite Woche nach dem Kulturdreieck passt sie gut.
Ein paar Fragen zu Zeit, Tempo und Interessen, dann schlage ich dir eine Route über die Insel vor und nenne dir die Häuser aus meiner Auswahl, die auf dieser Route liegen.
Das Ergebnis ist ein Anhaltspunkt ohne Gewähr. Eine persönliche Beratung braucht es immer, und genau dafür bin ich da.
Die Strecke von Colombo ins Hochland entstand ab 1864, weil die Briten erst Kaffee und später Tee an die Küste bringen mussten. Gebaut wurde von Hand, durch Fels und über Schluchten, mit Steigungen, an denen heute noch zwei Lokomotiven nötig sind. Der höchste Bahnhof des Landes liegt in Pattipola auf knapp neunzehnhundert Metern. Dass die Fahrt inzwischen als eine der schönsten der Welt gilt, war nie die Absicht.
Der bekannteste Punkt der Strecke ist die Nine Arches Bridge bei Ella, gut zwanzig Meter hoch und ganz aus Stein, Ziegel und Zement gemauert, ohne Stahl. Die verbreitete Erzählung, das Metall sei im Ersten Weltkrieg für die Front beschlagnahmt worden, wird von Historikern angezweifelt, hält sich aber hartnäckig. Vom [[nine-skies]] bist du in einer halben Stunde dort, und dass der Zug selten pünktlich kommt, stört niemanden.


Um sechs Uhr morgens gehört dir das Fort fast allein, und von der Veranda sind es keine fünf Minuten hinauf auf die Festungsmauer.Patrick Zimmerling · Traveler Expert
Süden, Westen und Hochland von Dezember bis April, Osten und Norden von Mai bis September. Beide Küsten in derselben Woche ergeben darum selten Sinn.
Edelweiss fliegt im Winterflugplan zweimal pro Woche ab Zürich direkt nach Colombo, rund zehn Stunden. Ausserhalb der Saison mit einem Umstieg am Golf oder in Istanbul.
Sri Lanka liegt auf UTC+5:30 und kennt keine Zeitumstellung. In unserem Sommer sind es dreieinhalb Stunden, im Winter viereinhalb.
Gewechselt wird vor Ort. Im Hotel geht die Karte, für Märkte, Tempel und Fahrer brauchst du Bargeld in kleinen Noten.
Beide sind Amtssprachen. Englisch ist Verbindungssprache und in Hotels, Restaurants und bei Fahrern kein Problem.
Das Land heisst seit 1972 offiziell Sri Lanka. Der Tee wird im Export bis heute als Ceylon Tea verkauft, samt Löwe im Gütesiegel.
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